Mit der Vorsitzenden des CDU-Gemeindeverbandes, Berta Hendriks, und dem Fraktionsvorsitzenden der Christdemokraten, Dr. Patrick Voßkamp, sprach BZ-Redakteurin Marita Rinke.

BZ: Die CDU Heiden ist mit einer Klausursitzung zum Thema „Haushalt“ am Wochenende ins Wahljahr 2020 gestartet. Ist damit auch bei Ihnen der Kommunalwahlkampf eröffnet worden?

Voßkamp: Nein, keineswegs. Wir haben bei der Klausurtagung den Etatentwurf, der uns in der Dezembersitzung des Rates vorgelegt worden ist, kritisch unter die Lupe genommen. Kämmerer Michael Drews war dabei, ihn haben wir mit unseren Fragen gelöchert. Das war dasselbe Prozedere wie in den Vorjahren und hatte nichts mit Wahlkampf zu tun. Den wollen wir auch bewusst aus der Haushaltsberatung, die in Heiden im Gegensatz zu den Nachbarkommunen erst jetzt im Januar beginnt, heraushalten.

Hendriks: Das Zahlenwerk zu hinterfragen, ist bei uns Tagesgeschäft. Schließlich geht es um die Wirtschaftlichkeit der Kommune. Da heißt es, sehr genau hinzuschauen.

 

 

 BZ: Wo zum Beispiel?

Voßkamp: Die Gemeinde hat vor, in diesem Jahr rund sieben Millionen Euro zu investieren. Das ist ein ganz schöner Batzen. Doch Ziel muss es sein, Heiden fit für die Zukunft zu machen.

BZ: Welche Investitionen gehören für Sie dazu?
Hendriks: Sicherlich die Investitionen in den Grunderwerb. Wir brauchen neue Wohn- und weitere Gewerbegrundstücke. Vor allem aber möchten wir in Bildung investieren – in die Mariengrundschule und die dortige OGS sowie in die Digitalisierung.
Voßkamp: Den Bildungsbegriff fassen wir allerdings weiter. Denn Bildung kann einem keiner nehmen. Deshalb investieren wir auch in die Bücherei sowie darüber hinaus in Bereiche, die Heiden lebenswert machen, wie das Heiden-Spaß-Bad, das Haus der Begegnung und in die Förderung der Vereine.
Hendriks: Wir möchten nicht nur in Gebäude investieren, sondern in die Menschen und ihr ehrenamtliches Engagement. Es hält unseren Ort zusammen und macht ihn attraktiv.

BZ: Wenn Sie die Haushaltsdebatte noch aus dem Kommunalwahlkampf heraushalten wollen, wann wollen sie dann in den Kommunalwahlkampf starten?
Hendriks: Wir hatten vergangenes Jahr eine Klausurtagung, an der Gemeindeverband und Fraktion eine Perspektive bis 2030 entwickelt haben. In dieser haben wir auch einen Fahrplan für den Wahlkampf festgelegt.

BZ: ...und auch die Bürgermeister-Frage geklärt?
Hendriks: Auch die.

BZ: Wird die CDU einen Kandidaten aufstellen?
Voßkamp: Wir werden definitiv mit einem eigenen Kandidaten beziehungsweise einer Kandidatin ins Rennen gehen. Und er oder sie ist auch bereits „geboren“.
Hendriks: Es wird eine Person aus Heiden sein, die sich bereit erklärt hat, anzutreten. Einen Namen werden wir aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nennen.

BZ: Wann wollen Sie die Öffentlichkeit darüber informieren?
Voßkamp: Ende Februar – das genaue Datum werden wir jetzt abstimmen – werden wir die Person, die fürs Bürgermeisteramt kandidiert, benennen. Es handelt sich dann aber noch um einen Vorschlag.
Hendriks: Am Donnerstag, 26. März, wird es einen außerordentlichen Parteitag des CDU-Gemeindeverbandes im Haus der Begegnung geben. In diesem wird der Kandidat/die Kandidatin gewählt. Außerdem werden wir bei diesem Parteitag auch unsere Kandidaten für den Gemeinderat und die Reserveliste vorstellen.

BZ: Wie schwierig war es für die CDU, bei der wachsenden Politikverdrossenheit noch Menschen zu gewinnen, die bereit sind, ein Ratsmandat zu übernehmen?
Voßkamp: Wir haben in der Vergangenheit sehr viele Gespräche geführt. Vor allem haben wir in diesen Gesprächen zugehört. Das hat uns sicherlich geholfen. Wir sind jedenfalls richtig froh und zufrieden, alle Positionen in den voraussichtlich 13 Wahlkreisen und der Reserveliste mit engagierten Menschen besetzen zu können.
Hendriks: Wir wollen als Team punkten. Dafür haben wir Menschen aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten begeistern können – junge und erfahrene, Singles und Familienmenschen, Berufstätige und Ruheständler, Menschen aus der Landwirtschaft, der Verwaltung und Justiz, Ingenieure und so weiter. Sie alle werden mit Leidenschaft und Herzblut dabei sein, da bin ich mir sicher.

BZ: Sie haben einen Zeitplan und Kandidaten. Fehlen noch die Themen. Welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?
Voßkamp: Wir möchten nicht nur eine Wahlperiode in den Blick nehmen, sondern perspektivisch denken – Heiden 2030, wie schon erwähnt. Dazu gehört zum Beispiel das Stichwort „Demografischer Wandel“ – allerdings nicht in der bekannten Definition.

BZ: Sondern?
Voßkamp: Uns schweben Ansätze in der Vernetzung über vier Generationen vor. Projekte, wo Jung und Alt zusammenarbeiten. Konkrete Formate entwickeln wir derzeit.
Hendriks: Das gilt auch für neue Formen der Bürgerbeteiligung. Menschen haben zunehmend abends keine Zeit, sich an Sitzungen zu beteiligen.
Voßkamp: Weitere Schwerpunktthemen im Wahlkampf stehen bei uns unter den Oberbegriffen Mobilität, Nachhaltigkeit und Belebung des Ortskerns. Bei letzteren darf es auch nicht nur um das Dauerthema „Vollsortimenter“ gehen. Am Rathausplatz West muss dringend etwas passieren.
Hendriks: Auch die erneuerbaren Energien stehen bei der CDU Heiden mit auf der Agenda. Wir sind in diesem Bereich schon top im Vergleich zu anderen Gemeinden. Ziel muss es sein, ein Hotspot in dem Metier zu werden. Heiden steckt voller Energie in jeder Hinsicht. Wir haben viele Leute mit viel Potenzial. Da bin ich ganz zuversichtlich.

Quelle: Borkener Zeitung, 17.01.2020

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